3. Juli 2009: Europäische Jugend forscht im Nationalpark

Medienmitteilung Schweizerischer Nationalpark vom 3. Juli 2009

«20th International Wildlife Research Week» Internationale Studienwoche für Jungforscher im Nationalpark

19 Jugendliche aus der Schweiz aus ganz Europa haben vergangene Woche an einer internationalen Studienwoche im Schweizerischen Nationalpark (SNP) teilgenommen. Die zwanzigste Ausgabe der «International Wildlife Research Week» bot den Jugendlichen einen vertieften Einblick in die Wildtier- und Wildpflanzenbiologie in alpinem Umfeld.

Der Präsident der Stiftung Schweizer Jugend forscht, Heinz Müller, durfte am vergangenen Freitag eine bunt gemischte Gruppe junger Forscherinnen und Forscher zur Schlusspräsentation der Forschungsarbeiten begrüssen. In seinem Vorwort wies er darauf hin, dass die Schweiz stolz auf ihre grosse Forschungstradition sein könne. In kaum einem anderen Land gibt es eine so hohe Dichte an Nobelpreisträgern und auch bezüglich Qualität ihrer Forschungsinstitutionen ist die Schweiz führend. Diese Tradition kann nur aufrecht erhalten werden, wenn bereits Jugendliche die Gelegenheit haben zu forschen. Ziel von Schweizer Jugend forscht ist es, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, in kleinen Gruppen und mit kompetenter Begleitung Forschungsprojekte durchführen zu können.

Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa
Bereits in früheren Jahren führte Schweizer Jugend forscht Studienwochen im Nationalpark durch. Dieses Jahr waren erstmals auch junge Talente aus ganz Europa mit dabei. Die Jugendlichen haben den Forschungsalltag hautnah in der Bergwelt des Schweizerischen Nationalparks erlebt und konnten wichtige Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Sie profitierten dabei vom Austausch mit Gleichgesinnten aus ganz Europa und lernten andere Kulturen und Forschungsansätze kennen. Diese Erlebnisse können die Berufs- oder Studienwahl gezielt beeinflussen.

Die Tücken des Forscherlebens
Nachdem Seraina Campell, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNP, die wissenschaftliche Forschung im Nationalpark vorgestellt hatte, präsentierten insgesamt fünf Gruppen ihre zoologischen und botanischen Forschungsarbeiten. Dabei wurde klar, dass Forschen kein einfaches Handwerk ist. Zuerst braucht es eine interessante und griffige Fragestellung, ein Hypothese, die bestätigt oder widerlegt werden soll sowie eine clevere Strategie, um die Fragen zu beantworten. Systematisches Vorgehen, vernetztes Denken, Teamwork, ein gewisse Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen sind wichtige Voraussetzungen für den Erfolg. Dass dabei die Praxis der Theorie einen Streich spielen kann, musste die Gruppe der Waldameisenforscher erkennen. Sie wollten einzelne Ameisen bei ihren Ausflügen beobachten und markierten sie deshalb mit einem weissen Tipp-ex-Punkt. Doch schon bald zeigt sich, dass die markierten Tiere von den anderen Waldameisen angegriffen wurden, weil sie nicht mehr den «richtigen» Geruch verbreiteten. Auch dies eine Erkenntnis: Ameisen orientieren sich primär mit ihrem Geruchssinn. Eine weitere Erkenntnis war, dass Ameisen bei entsprechender Auswahl Brot bevorzugen, obwohl es natürlicherweise in ihrem Lebensraum nicht vorkommt. Auch Honig wurde angenommen, Fruchtstückchen hingegen nicht.

Welche Vorlieben hat ein Schmetterling?
Für eine weitere Gruppe standen die Schmetterlinge im Zentrum. Bevorzugen bestimmte Schmetterlinge gewisse Farben? Die Hypothese bestand darin, dass sich Schmetterlinge vor allem auf gelben Blüten niederlassen. Die Forscherinnen identifizieren 6 Schmetterlings-Arten und konzentrierten sich auf den Distelfalter und den Brombeerzipfelfalter. Sie fanden heraus, dass Letzterer vor allem Mehlprimeln aufsucht. Blaue Schmetterlinge bevorzugten gelbe Pflanzen, weisse Schmetterlinge hingegen eher blaue Blüten. Die Gruppe tat sich schwer mit der Bestimmung der Arten, weil sie die Schmetterlinge lediglich beobachteten und fotografierten, nicht aber fingen. Zudem lernten sie die Tücken des Wetters kennen, denn zu viel Wind oder gar Regen verunmöglichten die Forschung. Geduld ist auch eine wichtige Eigenschaft im Forscherleben.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass sich die Jugendlichen intensiv mit ihren Fragestellungen auseinander gesetzt haben und dabei wissenschaftliche Arbeitsweisen verfolgt haben. Dies war ein verbindendes Element über die Nationalitäten hinweg, genauso wie die englische Sprache, welche die Kommunikation und die Präsentation erst möglich machte. Nach dieser Woche gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem reichen Erfahrungsschatz, wunderbaren Eindrücken vom Nationalpark und zahlreichen neuen Bekanntschaften wieder nach Hause. Wobei die längsten Zugfahrten rund 30 Stunden dauern. Europas Jugend erforscht die Natur – ein wichtiges Anliegen, heute mehr denn je.

Hans Lozza, Schweizerischer Nationalpark

Stiftung Schweizer Jugend forscht

Die Stiftung Schweizer Jugend forscht unterstützt innovative und leistungswillige
Jugendliche mit dem Ziel, die Freude und Faszination an wissenschaftlicher Arbeit zu
wecken. Diese Förderung richtet sich hauptsächlich an Jugendliche der Sekundarstufe II
(Gymnasien und Berufsfachschulen).
Jedes Jahr werden diverse Studienwochen organisiert, bei denen die Jugendlichen die
Möglichkeit erhalten, sich während einer Woche in ein Fachgebiet zu vertiefen.
Mehr Informationen dazu auf www.sjf.ch.

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