Greifvögel und Eulen im Nationalparkzentrum

Medienmitteilung vom 12. März 2012

Greifvögel und Eulen – Vernissage der neuen Sonderausstellung im Nationalparkzentrum

Am Donnerstag, 15. März, eröffnet der Schweizerische Nationalpark (SNP) mit einer Vernissage seine neue Sonderausstellung im Besucherzentrum in Zernez. Die Ausstellung zum Thema Greifvögel und Eulen wurde von den Naturmuseen Olten und St. Gallen sowie der Schweizerischen Vogelwarte konzipiert. Die Faszination Fliegen lässt sich in der Ausstellung hautnah erleben.

Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, ein Vogel zu sein? Kein Haussperling oder Stockente – ein Steinadler oder ein schneidiger Wanderfalke wäre der Vogel der Träume. Was aber fasziniert uns Menschen an den geflügelten Wesen mit krummem Schnabel und spitzen Krallen? Auf diese Frage gibt die gegenwärtige Sonderausstellung im Besucherzentrum des SNP in Zernez vielfältige Antworten.

Erstaunliche Rekorde
Innerhalb der 22 bei uns vorkommenden Greifvogel- und Eulenarten können je nach Lebensweise ganz unterschiedliche Spezialisierungen festgestellt werden. Schon die Technik der Beutejagd erfordert einen bestimmten Flugstil und damit verbunden einen entsprechend angepassten Körperbau. Ein absoluter Rekordhalter über das gesamte Tierreich ist der Wanderfalke: Bei der Jagd auf andere Vögel, die er in der Luft tödlich verletzt, erreicht er im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h.
Eine weitere besondere Eigenschaft bei Taggreifvögeln ist die herausragende Augenleistung. So können Steinadler auf zwei Kilometer Distanz problemlos ein Alpenschneehuhn im Schnee ausmachen.
Ganz andere Fähigkeiten benötigen wiederum die weitgehend nachtaktiven Eulenarten. Ein Waldkauz braucht zum Beispiel fünfmal weniger Licht um gleichviel zu erkennen wie ein Mensch. Aber vor allem das Gehör spielt bei den jagenden Eulen eine wichtige Rolle. Beim Uhu verstärkt der Gesichtsschleier die Schallwellen raschelnder Mäuse und lenkt sie in Richtung Ohren die verborgen hinter den Augen liegen. Doch damit nicht genug: Die Federzähne an den Flügelkanten ermöglichen einen lautlosen Flug und machen Eulen erst dadurch zu genialen Nachtjägern.
Eine weitere erstaunliche Spezialität der Eulen ist die Fähigkeit ihren Kopf um 270° drehen zu können.

Verehrt, gejagt und verhasst
Die erstaunlichen und vielfältigen Fähigkeiten der Greifvögel führten einerseits zu Verehrung als Wappentier und Machtsymbol, andererseits jedoch auch zur Legendenbildung. So wurde der überaus friedfertige und auf Knochennahrung spezialisierte Bartgeier bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Lämmer- und Kinderräuber verleumdet und im Alpenbogen schliesslich ganz ausgerottet. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei und gerade im Gebiet des SNP erfreut sich der grösste Vogel der Alpen wieder langsam zunehmender Beständen.
Die weitaus grösseren Gefahren gehen heute von den Umweltgiften aus, die in die Nahrungskette gelangen und v.a. den Endkonsumenten, zu denen die Greifvögel gehören, Bauchweh bereiten. Hinzu kommen technische Gefahren wie Freileitungen und grosse Glasflächen sowie der Strassen- und Schienenverkehr.
Heute sind alle 22 einheimischen Greifvogel- und Eulenarten geschützt. Jeder zweite steht jedoch auf der roter Liste der gefährdeten Arten.

Vernissage am 15. März mit Adler-Haller
Anlässlich der Vernissage am Donnerstag, 15. März, um 19 Uhr im Besucherzentrum des SNP in Zernez besteht die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen. Der Direktor des SNP, Heinrich Haller – durch seine langjährige Forschungstätigkeit über den Steinadler auch als Adler-Haller bekannt – wird das Publikum begrüssen und unter anderem von seinen spektakulären Fangaktionen bei Steinadlern berichten. Der Eintritt an der Vernissage ist frei.
Im Anschluss an die Veranstaltung findet die Generalversammlung des Vogelschutzvereins Engadin statt.
Die Ausstellung kann bis am 28. Februar 2013 besichtigt werden. Zum Thema Greifvögel finden diesen Sommer im Rahmen der Vortragsreihe Naturama des SNP zwei weitere interessante Veranstaltungen statt: David Jenny wird am 18. Juli über den Steinadler berichten und Bruno Badilatti geht am 26. September auf die Greifvögel und Eulen im Engadin ein.

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