Junger Bartgeier geschlüpft!

Die junge Bartgeierpopulation im Grenzgebiet Schweizerischer Nationalpark/Nationalpark Stilfserjoch wächst. Je 3 Paare brüten beidseits der Landesgrenze und füttern derzeit einen Jungvogel in ihren Horsten. Wenn alles klappt, dürften erstmals 6 junge Bartgeier ausfliegen. Auch im Wallis, in Österreich und in Frankreich wird gebrütet – bei insgesamt 18 Paaren, so vielen wie nie zuvor.
In der Val Tantermozza, dem unzugänglichsten Tal im SNP, zieht ein routiniertes Bartgeierpaar seinen dritten Jungvogel auf. Das 9-jährige Weibchen namens Martell entstammt dem Freilassungsort im Südtirol, das Männchen Zebru ist ein Wildgeborener aus dem Valle dello Zebru nahe Bormio. Die Partner harmonieren bestens: Während das Männchen den Hauptteil der Nahrung einträgt, obliegt dem Weibchen die Fütterung des Jungvogels. In den ersten Lebenswochen erhält der Nestling kleine Fleischstückchen, die häppchenweise und behutsam schnabelgerecht angeboten werden.
Die Region Engadin/Stelviopark erweist sich als optimaler Lebensraum für die Bartgeier: mit einer Nachwuchsrate von bisher fast 0,8 Jungvögeln pro Paar und Jahr wird hier so gut gebrütet, wie in keinem andern Teil der Alpen. Deshalb verzichtete man hier seit 2007 auf weitere Freilassungen. Hingegen werden im St. Gallischen Calfeisental auch 2011 durch die Stiftung Pro Bartgeier 2 bis 3 junge Bartgeier ausgewildert. Damit soll die flächige Wiederbesiedlung des ganzen Alpenraums beschleunigt und die genetische Basis der doch kleinen Population erweitert werden. (David Jenny)