Pilzbefall


Pilze erfüllen wichtige Funktionen im Ökosystem Wald. So auch im Schweizerischen Nationalpark, wo ein Pilzbefall nicht als Schaden, sondern als natürlicher Prozess angesehen wird.
 

Pilze bewegen sich als Lebewesen irgendwo zwischen Tieren und Pflanzen und beeinflussen diese auf verschiedene Art und Weise. In der Natur wirken sie als wichtige Zersetzer von totem organischem Material (z.B. toten Bäumen) und bilden Humus. Einige Pilze ernähren sich jedoch auch von Lebewesen. Sie sind sogenannte Parasiten.

Im Schweizerischen Nationalpark (SNP) geben vor allem zwei Pilze zu reden: Der Hallimasch (Armillaria) und der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum). Beide sind parasitische Pilze, welche die Wurzeln der Bäume befallen und diese zersetzen. In wirtschaftlich genutzten Wäldern gelten sie deshalb als Schädlinge – nicht so im SNP. Forscher beobachten seit Jahren, wie Bergföhren im Ofenpassgebiet aufgrund des Befalls durch Hallimasch und Wurzelschwamm lokal absterben. Hier ist ein natürlicher Prozess im Gang, der innerhalb des SNP geschützt ist.
Der Hallimasch befällt totes und lebendes Holz. Im SNP ist der helle Fruchtkörper ("Pilz") kaum je sichtbar, da er sich der Organismus nur vegetativ über das Wurzelsystem vermehrt. Unter der Oberfläche, versteckt im Boden, breitet sich beim Hallimasch wie auch beim Wurzelschwamm ein riesiges Geflecht von Pilzfäden aus. So befallen beide Pilze die Baumwurzeln auf grösseren Flächen und zersetzen diese langsam. Dabei unterbrechen sie die Wasser- und Nährstoffaufnahme, was insbesondere schwache resp. ältere Bäume früher oder später zum Absterben zwingt. Sogar junge Bäume werden befallen. Das grösste Pilzindividuum hat eine Ausdehnung von 500x800 m und dürfte über 1000 Jahre alt sein. Es ist damit das grösste Lebewesen der Schweiz.

Hallimasch und Wurzelschwamm breiten sich von Wurzel zu Wurzel aus, und führen zu langsam wachsenden Waldlücken, was beispielsweise in der Val dal Botsch nahe Parkplatz 7 gut zu sehen ist. In solchen Waldlücken wird Platz frei für die Neuansiedlung von Bäumen, oft beginnend mit der Föhre als Pionierbaumart. 



Der Befall der Bergföhren im Ofenpassgebiet durch Hallimasch und Wurzelschwamm wird wissenschaftlich untersucht. Es wird jedoch nichts unternommen, um die Ausbreitung dieser Pilze zu verhindern. Die Pilze greifen die Bäume nur sporadisch an und führen dadurch zu einer lokalen Verjüngung des Waldes und nicht zu einem ausgebreiteten Waldsterben. Sie halten den Kreislauf von Entstehen und Vergehen aufrecht, denn Totholz bietet Lebensraum und Nahrung für unzählige Tierarten.

Weitere Infos: 
► Zur Funktion von Pilzen im Waldökosystem 
WSL-Publikation zum Hallimasch 
► Zu Hallimasch und anderen Pilzen