Waldbrand


Die Waldbrandfläche bei Il Fuorn aus dem Jahr 1951 zeigt, wie lange die Spuren eines Waldbrandes im Gebiet des Schweizerischen Nationalparks sichtbar bleiben können.
 

Wenn der Wald brennt, wirkt dies meist beängstigend und zerstörerisch. Doch ein Waldbrand trägt gleichzeitig auch zur Verjüngung der Wälder bei. Er schafft Nährstoffe und Raum für neues Leben und ist im Grunde natürlicher Bestandteil der Waldökosysteme. Heutzutage sind jedoch die allermeisten Brände auf menschliche Ursachen zurückzuführen und in diesem Sinne nicht mehr Teil eines natürlichen Prozesses. Wie im Schweizerischen Nationalpark (SNP) mit Waldbränden umgegangen werden soll, ist deshalb keine triviale Frage.

Wissenschaftliche Analysen haben gezeigt, dass in den Wäldern des Fuorngebiets (Ofenpass) vor der Besiedlung durch den Menschen ein natürliches Feuerregime geherrscht hat. Die aufrechte Bergföhre (pinus mugo uncinata), die die Wälder hier momentan dominiert, ist eine Pionier-Baumart. Sie besiedelte das Gebiet nicht nur nach Kahlschlägen, die im Ofenpassgebiet vom 17. bis Mitte 19. Jh. regelmässig durchgeführt wurden, als Erste. Sie kommt auch mit Feuer sehr gut zurecht. Die ausgedehnten Bergföhrenwälder des Ofenpassgebiets, die an die Wälder der Rocky Mountains erinnern, sind also nicht nur durch die ehemaligen Kahlschläge entstanden, sondern gehören auch zum natürlichen Waldökosystem des Schweizerischen Nationalparks.  



Heute zeugt die Brandfläche oberhalb des Hotels Il Fuorn am Ofenpass vom grössten Waldbrand im Schweizerischen Nationalpark. Sie entstand 1951 während Räumungsarbeiten nach einem Lawinenniedergang. Dieser vom Menschen verursachte Brand wurde gelöscht, zerstörte allerdings die Vegetation und die Humusschicht weitgehend. Auch heute, rund 70 Jahre nach dem Brand, sind die Spuren des Ereignisses deutlich erkennbar. Noch immer sieht man einzelne, kahl stehende Bäume. Die Wiederbewaldung hat erst in den letzten Jahren und sehr zögerlich begonnen.
 

Anders als in wirtschaftlich genutzten Wäldern werden im Nationalpark nach einem Waldbrand keine Wiederaufforstungen gemacht. Im Sinne des Prozessschutzes werden Waldbrandflächen vollständig sich selber überlassen und deren Entwicklung wissenschaftlich beobachtet und untersucht. Die ausbleibende Wiederbewaldung bei der Brandfläche Il Fuorn erstaunte die Wissenschaftler – sie hatten mit einer sehr viel rascheren Wiederbewaldung gerechnet. Verschiedene Faktoren machen es den Pflanzen in diesem Gebiet besonders schwer, sich wieder anzusiedeln. 



 

Zurzeit werden Brände im Nationalpark gelöscht. Diese Praktik sorgt jedoch immer wieder für Diskussionen. Grundsätzlich geht es auch beim Waldbrandmanagement darum, sich möglichst an den Zielen des SNP zu orientieren. 

Nebst der langsamen Wiederbewaldung spielen das hohe Waldbrandrisiko, verursacht durch das viele Totholz und das trockene Klima im SNP, eine wichtige Rolle. Im Sinne eines konsequenten Prozessschutzes, müsste auch dieser Prozess zugelassen werden, insbesondere wenn er natürliche Ursachen hat. Hier zeigt sich das erste Problem. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage nach der Bewahrung zahlreicher ökologischer und ökonomischer Werte (beispielsweise die Verbreitung schützenswerter Pflanzen und Tiere), welche durch Waldbrände gefährdet oder gar komplett zerstört werden könnten. 
Untersuchungen – nicht zuletzt auch an der Brandfläche bei Il Fuorn – haben es gezeigt: Ein Waldbrand könnte das Bild des Nationalparks über weite Teile und für sehr lange Zeit drastisch verändern, und die Frage nach der Natürlichkeit dieses Prozesses ist nur schwer zu beantworten. Hinzu kommen politische Gründe: Die Eidgenossenschaft pachtet das Land lediglich von den Gemeinden. Zudem ist die Ofenpasstrasse eine interenationale Verkehrsachse, die durch den Park führt und die im Brandfall nicht mehr benutzbar wäre. Und schliesslich kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein unkontrollierter Brand auch auf Gebiete ausserhalb des Parks übergreifen würde.

Weitere Infos: 
► Webseite der WSL mit verschiedenen Publikationen zum Thema