Das Nationalparkzentrum ist auch im Winter offen!

Drachen in Zernez? Am 31. Mai 2008 ist er nach Zernez hinuntergeflattert, der Drache von Macun und wartet nun im neuen Besucherzentrum des Schweizerischen Nationalparks auf möglichst viele Besucherinnen und Besucher. Ganz besonders hat er es auf Kinder abgesehen ...

Doch ist es wirklich ein Drache, der einen am obersten Treppenabsatz des Betonkubus von Valerio Olgiati schnaubend empfängt? Könnte es nicht auch einer der Saurier sein, der vor 220 Millionen Jahren seine Spuren in den Schlamm gezeichnet hat, die heute versteinert hoch oben in der Val Cluozza am Felsen kleben? Tatsächlich lässt sich auch mit einiger Anstrengung und grossen Spreizschritten die Schrittlänge der riesigen Echsen am eigenen Leib nachempfinden. Die Fährte führt zu einer Schaumstoffmatte, in der gleich den Sauriern in der Lagune, unsere eigenen Fussabdrücke für Sekunden sichtbar bleiben. Die Frage liegt somit offensichtlich auf der Hand oder im Schaumstoff: Welche Hinterlassenschaften werden unsere Nachfahren in 200 Millionen Jahren einmal von uns finden?
Mit diesem Beispiel ist die Philosophie der Dauerausstellung im neuen Nationalparkzentrum in Zernez bereits erläutert: Staunen, Interaktion und eigenes sinnliches Erfahren sind die Kernanliegen, welche die Ausstellungsmacher im Auge hatten. Dabei soll neben der Vermittlung von wissenschaftlichen Fakten auch Platz für Mystik und philosophische Fragestellungen bleiben. Und natürlich soll dem Publikum mit gezielten Anregungen Lust auf das Erlebnis Nationalpark und die Natur allgemein gemacht werden. Unterstützung erhält es dabei aus einem fünfsprachigen Audioguide, der es an einem lebhaften Gespräch über die einzelnen Module teilhaben lässt. Für Kinder gibt es sogar einen Entdeckerpfad, der es ermöglicht, auf eigenen, geheimnisvollen Wegen die Ausstellung zu erleben.
Doch bereits verlangt ein geheimnisvolles Knacken und Säuseln hinter einem mit einer riesigen Landschaft bedruckten Vorhang nach Aufmerksamkeit. Was steckt da wohl dahinter? Oder was verrät der Findling, mit den kleinen Löchlein, aus denen eine Geschichte zu vernehmen ist? Anschliessend erlaubt ein begehbares Höhlensystem Einblicke in eine sonst verborgene Welt. Und im nächsten Raum wird es gar möglich auf den Schwingen eines Bartgeiers in sonst unbegehbare Täler des Nationalparks vorzudringen. Oder selbst Hirsch zu sein und das Gewicht eines kapitalen Geweihs auszuhalten. Mit dem Gehirn des Tannenhähers wiederum kann man sich mittels einem Computerspiel messen um danach ...
Aber Moment mal, am besten hoffen Sie auf schlechtes Wetter und kommen dann selbst mal dabei. Natürlich dürfen Sie die Ausstellung auch bei Sonnenschein besuchen!

Noch bis Mitte März 2012: Sonderausstellung zu den Schmetterlingen.