Wissen schaffen (weitere Informationen)

Der Schweizerische Nationalpark wurde 1914 als striktes Naturreservat gegründet, in dem jegliche Eingriffe durch den Menschen verhindert werden sollten. Parallel dazu wollten die Gründer die Entwicklung der Pflanzen und Tiere sowie der natürlichen Prozesse wissenschaftlich untersuchen. Eine neue Publikation fasst die Erkenntnisse dieses einzigartigen Naturexperimentes zusammen.

Die Gründung des Schweizerischen Nationalparks (SNP) kam vor allem auch auf die Initiative führender Wissenschaftler zustande. Sie wollten nicht nur ein Stück Natur schützen, sondern sie entwarfen auch umfassende Pläne, wie sie die Entwicklung von der früher intensiv genutzten Landschaft am Ofenpass in „alpine Urnatur“ wissenschaftlich begleiten und erforschen wollten.

In einer neuen Publikation, die im Dezember unter dem Titel «Wissen schaffen» erscheint, ziehen die im Nationalpark aktiven Forschenden nach 100 Jahren Bilanz. Wo steht das Verwilderungsexperiment Nationalpark heute? Welchen Mehrwert schuf die Nationalparkforschung für die Wissenschaft? Die Analogie zum Buch «Wildnis schaffen» ist bewusst gewählt: Neben dem umfassenden Naturschutz ist auch das Erarbeiten von Wissen und damit die Forschung über die Parkentwicklung eine zentrale Aufgabe des Nationalparks.

Antworten und Fakten dazu werden in 13 Kapiteln wissenschaftlich fundiert und für Laien verständlich erläutert. Nach zwei einführenden Kapiteln zur Forschungsgeschichte des Nationalparks wird die Nutzungsgeschichte der Region von der letzten Eiszeit bis kurz vor der Gründung zusammengefasst, die Klimaentwicklung dargelegt und die Erdgeschichte mit ihren Gesteinen und Geländeformen beschrieben. Schwerpunkte der belebten Umwelt bilden Kapitel über die Veränderungen der Weiden und Wälder, die sich teilweise ganz anders als ursprünglich erwartet entwickelt haben. Jahrzehntelange Forschung wurde auch in der Zoologie betrieben. Auf der Basis alter Daten konnten hier in den letzten Jahren teils spektakuläre Forschungsergebnisse publiziert werden. Natürlich bedarf auch die Forschung über die grossen Wildtiere ein eigenes Kapitel. Mit seinen neuen Erkenntnissen über Gämse, Rothirsch und Steinbock spielte der SNP während den letzten Jahren weltweit eine wichtige Rolle und prägte die Entwicklung eines modernen Wildtiermanagements entscheidend. Dies gilt auch in Bezug auf Gewässerfragen. Trotz des Ökounfalls am Spöl gilt die Restwasserbewirtschaftung als beispielhaft und findet weltweit Beachtung. Die abschliessenden Kapitel widmen sich den Forschungen über den Menschen als Gast im und als Bewohner rund um den Nationalpark.

Am 15. Oktober 2014 berichtet Thomas Scheurer im Rahmen der Vortragsreihe Naturama des SNP über die Ergebnisse und die Folgerungen. Als Geschäftsleiter der Forschungskommission prägt er die Forschung seit 35 Jahren im Nationalpark mit. Der Vortrag findet um 20:30 Uhr im Auditorium Schlossstall beim Schloss Planta-Wildenberg in Zernez statt.

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