Der Rotfuchs – Jäger auf leisen Pfoten

Hinweis: Aufgrund der aktuellen Bestimmungen des Bundes ist die auf den 25. März 2021 geplante Vernissage leider nicht möglich.
Voraussichtlich bieten wir am Samstag, 28. August, drei kostenlose Führungen durch die Sonderausstellung an: 10.30, 14.00 und 16.30 Uhr. Keine Anmeldung nötig. ►Mehr Infos

Rotfuchs und Mensch verfügen über einige verblüffende Gemeinsamkeiten: Beide leben in allen Klima- und Vegetationszonen der nördlichen Halbkugel (der Mensch auch der südlichen). Als Generalisten sind sie bei der Futterwahl keineswegs wählerisch: So gehören neben Fleisch in allen Formen auch Obst und Beeren zu ihrem Speiseplan. Da sie weit oben auf der Nahrungspyramide stehen, haben sie wenige Feinde. Anpassung, Vorsicht und Lernfähigkeit sorgen für einen hohen Bestand.

Zuweilen leben mehrere Familien in einer Wohnbehausung. Füchse lassen sich oft von Dachsen ihren Bau graben um sie danach zu vertreiben. Manchmal schliessen sie aber auch einen «Burgfrieden» und leben mit dem Architekten ihres Rückzugortes in derselben Höhle. Und wie der Mensch bewohnen mittlerweile tausende von Rotfüchsen Grossstädte – und kommen dort äusserst gut zurecht.

Daneben gibt es jedoch auch eine Menge Unterschiede: Bei uns Menschen sind die Sinne und Instinkte im Gegensatz zum Rotfuchs weit weniger entwickelt. So riecht eine Fuchsnase 450 Mal besser als die unsre. Auch das Gehörsystem ist besonders ausgeprägt. Füchse können ihre Ohren in fast alle Richtungen drehen und hören so das Rascheln und Pfeifen der Mäuse. Auch nachts sehen sie wesentlich besser als wir. Weitere interessante Fakten zur Biologie des Rotfuchses liefert der vom Nationalpark Stilfserjoch erstellte Teil der Ausstellung. Zusätzlich informieren fünf neu gestaltete Tafeln sowie Filmsequenzen einer Fuchsbesenderung über das momentan laufende Rotfuchsprojekt des SNP.

Das Rotfuchsprojekt im SNP

Seit der Gründung des SNP 1914 war der Rotfuchs während eines Jahrhunderts das grösste Raubtier. Diese Situation ist allerdings gerade im Begriff, sich zu ändern. Seit einigen Jahren halten sich Grossraubtiere wie Braunbär, Wolf und Luchs zum Teil über längere Zeit im SNP auf. Beispiele in anderen Nationalparks zeigen, dass gerade die Rückkehr des Wolfes entscheidende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem hat. So reduzierten die Wölfe im Yellowstone-Park nicht nur die Bestände ihrer Beutetiere, sondern auch diejenigen ihrer Konkurrenten, der Kojoten.
Was wird sich nun im SNP durch die Rückkehr der Grossraubtiere verändern? Und welche Konsequenzen hat das für den Rotfuchs? Diesen und weiteren Fragen geht die Forschung des SNP im 2016 gestarteten Rotfuchsprojekt nach. Um die momentane Situation zu erfassen, kommen verschiedene Methoden zur Anwendung.

Spurensuche

Oft sind die Methoden der Forschung erstaunlich einfach und naheliegend. Wer hat nicht schon im Winter in einer schneebedeckten Landschaft die diversen Trittsiegel von Tieren zu deuten versucht? Genau so funktioniert es mit dem Fuchs: Entlang von sechs vorgegebenen Routen im SNP werden jeweils nach frischem Schneefall die unterschiedlichen Tierfährten analysiert. Damit lassen sich die Tierart und deren relative Häufigkeit bestimmen. Der Rotfuchs ist nach dem Schneehasen die zweithäufigste Art, die im Untersuchungsgebiet festgestellt wurde. Ein wichtiges Detail: die Spuren der Huftiere werden dabei jeweils nicht erfasst.

Kotsammlung

In der schneefreien Zeit greifen die Forschenden im SNP auf eine andere Methode zurück. Dreimal im Laufe des Sommers werden entlang der Wanderwege Kotproben gesammelt. Das ist zwar eine etwas unangenehme Arbeit und bedingt auch, dass die sammelnde Person entsprechende Schutzvorkehrungen gegen allfällige Krankheiten, wie z.B. den Fuchsbandwurm treffen muss. Diese Methode weist aber auch einige Vorteile auf: Einerseits ist es mittels einer DNA-Analyse möglich, das einzelne Individuum explizit zu bestimmen. Andererseits lässt sich anhand von Nahrungsresten auch die genaue Nahrungszusammensetzung analysieren. Im SNP ernähren sich die Rotfüchse fast zu 60 Prozent von Säugetieren. Auffallend dabei ist der hohe Anteil von Aas.
Der höchste Fuchskot lag auf 2837 m ü.M.

GPS-Besenderung

Um das Streifgebiet einzelner Füchse zu erforschen, statten die Parkwächter einige Tiere mit einem GPS-Sender aus. Diese Methode ist relativ aufwändig, da die Füchse mittels einer Kastenfalle erst eingefangen werden müssen. Kleine, für Füchse tragbare Sender sind erst seit wenigen Jahre auf dem Markt. Die besenderten Tiere lieferten bereits erstaunliche Resultate. So variiert die Grösse der Streifgebiete zwischen 3 und 300 km2 und unterstreicht damit die Individualität der einzelnen Individuen. Stadtfüchse haben z.T. noch kleinere Streifgebiete, da das Nahrungsangebot inmitten der Zivilisation geradezu paradiesisch ist.
Eine junge Fähe unternahm im Spätwinter während zwei Wochen eine 100 km lange Exkursion vom SNP bis ins Ötztal und kehrte danach in die Val Müstair zurück. Fortan verhielt sie sich dort standorttreu.

Fotofallen-Monitoring

Seit 2018 liefert ein neu eingerichtetes Fotofallen-Monitoring weitere interessante Daten für das Fuchsprojekt. Die 73 installierten Fotofallen im Untersuchungsgebiet halten alles bildlich fest, was sich bewegt – Tag und Nacht. Wie bei den ersten beiden Methoden entsteht durch die Fotofallen keinerlei Störung der Tiere. Die Fotos erlauben Rückschlüsse über die Verteilung, die Dichte und die Häufigkeit der Rotfüchse und anderer Tierarten. Nachteilig ist, dass Füchse auf Fotos meist nicht individuell erkennbar sind.

Die Ausstellung ist vom 22. März 2021 bis am 12. März 2022 bei uns zu Gast.