Gämse

Die Gämse ist im Nationalpark als einzige Huftierart weder ausgestorben noch ausgerottet worden.

Ihr Schutz war bei der Gründung des Nationalparks ein wichtiges Argument. Der Gämsbestand schwankt seit 1920 trotz fehlender Bejagung zwischen 1000 und 1700 Stück. Weshalb die Zahl der Gämsen ohne Bejagung nicht sprunghaft ansteigt, wird wissenschaftlich untersucht.

Gämsen lassen sich mit etwas Geduld fast überall im Nationalpark beobachten. Gute Standorte sind Murtaröl, Val Cluozza und Margunet.

Von Zeit zu Zeit grassiert die Gämsblindheit. Bei dieser Krankheit werden die Augen trüb, unter Umständen bis zur vorübergehend vollständigen Erblindung. Die Krankheit wird von Viren übertragen und kann auch Schafe und Steinböcke befallen.

 

Gämsgeissen leben mit ihren Kitzen das ganze Jahr über in Rudeln zusammen.

Die Unterscheidung von Gämsbock und Gämsgeiss ist nicht ganz so einfach, weil beide ähnliche Hörner tragen. Die Hörner der Geiss sind dünner und weniger stark gebogen als jene des Bocks. Wie der Name sagt, bestehen die Hörner aus Hornsubstanz, ähnlich wie unsere Fingernägel. Die Hörner wachsen ein Leben lang und werden nicht abgestossen.

Bei der Fortbewegung in felsigem Gelände dienen der Gämse die harte Schale und der ledrig-weiche Kern ihrer Hufe. Diese Kombination gibt einen guten Halt und diente früher als Vorbild für Bergschuhe.
Gämsböcke sind Einzelgänger und bleiben das ganze Jahr über in derselben Gegend.

Der Lebensraum der Gämsböcke liegt nicht nur im Hochgebirge, sie sind auch im Bergwald anzutreffen. Dort finden sie genügend Nahrung und gute Verstecke. Die Hörner solcher «Waldböcke» tragen häufig eine Harzschicht.

 

Die verspielten jungen Gämsen lernen im ersten Lebensjahr das Wichtigste für das Überleben im Gebirge.

Gämskitze erblicken im Juni das Licht der Welt und folgen schon nach einigen Stunden ihrer Mutter über Stock und Stein. Bei Fluchtaktionen verlieren sie hin und wieder den Kontakt zur Gruppe und verfallen dann in ein weithin hörbares Jammern.

 

Bei der jährlich im November stattfindenden Gämsbrunft geht es gelegentlich unzimperlich zu und her.

Die Böcke liefern sich intensive Verfolgungsjagden. Rangkämpfe mit ihren spitzen Hörnern können in seltenen Fällen mit dem Tod eines der beiden Gegner enden.

Gämsen verständigen sich nicht nur optisch und akustisch; wichtig ist auch die Geruchswelt. Aus einem paarigen Duftorgan hinter den Hörnern streifen Böcke vor allem während der Brunft ein nach Moschus riechendes Sekret an Ästen und Halmen ab. Der Duft ist individuell und dient der sozialen Verständigung. Die anderen Gämsböcke erkennen, wer wann das Sekret abgestrichen hat.

 

Die Gämse ist optimal an ihren Lebensraum im Gebirge angepasst.
Der Lebensraum der Gämse umfasst Fels, Wald und Weiden. Einer Gefahr entzieht sie sich durch Flucht in die Felsen, über Schutthalden oder in den Krummholzgürtel.

Bei der Wahrnehmung eines Geruchs fliehen Gämsen viel rascher als bei der Sichtung eines aussergewöhnlichen «Objekts».

Gämsen bleiben auch im Winter in höheren Lagen. Nahrung finden sie im Bereich von schneefreien Graten oder indem sie wie diese Gämse mit den Hufen im Schnee scharren.